"C'est faux de dire: Je pense:

on devrait dire: on me pense."

Arthur Rimbaud. 13. Mai 1871

 

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Inhalt

Der Kraftort: Labyrinth der Frauen
Mein Leben: Labyrinth oder Irrgarten?
Im Labyrinth von Chartres: Ein Weg zur Mitte Der Ariadnefaden: Ein Weg der Befreiung
Der Schlaf: Ein Weg der Heilung
Die Stille: Ein Weg der Gelassenheit
Der Gral: Ein Weg des Mitgefühls
Die Flüchtlinge: Ein Weg des Vertrauens
Ende und Anfang: Das Labyrinth von Rosenlund

Lesenswerte Bücher

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"Ein Urwort Heraklits lautet: „Der Seele Grenzen kannst du nicht ausfinden und ob du jegliche Straße abschrittest; so tiefen Grund hat sie.“ Aber besitzt die Seele vielleicht, so grenzenlos und tief sie auch erscheinen mag, eine Mitte, die es zu finden gilt? In seinem neuen Buch bejaht Uwe Wolff diese Frage. Die zentrale Metapher ist die Mitte des Labyrinthes. Wolff schreibt: „Alles kann zum Labyrinth werden: Liebe und Elternbeziehung, Schule und Beruf, die Politik, der Verlust der Arbeit und die neue Stelle, das eigene Geschlecht. Überall droht Verlust der Mitte.“ Denkt man sich die Seele und das Leben als Labyrinth, so ist darin jedoch enthalten, dass alle Wege – selbst scheinbare Umwege – zur Mitte führen: „Im Unterschied zum Irrgarten kennt das Labyrinth keine Irrwege und Sackgassen. Es gibt nur einen Weg, und der führt immer zur Mitte.“ Die Mitte des Labyrinthes ist nach Wolff „Symbol der Selbstfindung“ und „Ziel des Lebensweges“. Wolffs Botschaft, wenn er das Labyrinth ins Zentrum seiner Reflexionen stellt, lautet: Sei zuversichtlich! Das Leben geht Umwege, aber du darfst die Ankunft in der Mitte erhoffen.
Mit Meditationen zu verschiedenen Beispielen besonderer Labyrinthbauten und „labyrinthischer“ Lebenswege regt der Autor die Leser zur Selbstreflexion an. Wo bin ich im Labyrinth des eigenen Lebens, der eigenen Seele unterwegs? Habe ich schon einmal die Mitte erreicht oder habe ich zumindest das Gefühl, auf dem Weg dorthin zu sein? Habe ich den Eindruck, auf Umwegen meine Zeit zu vertrödeln, mich von der Mitte immer weiter zu entfernen oder mich verirrt zu haben? Dabei spart Wolff auch die eigene Biografie nicht aus. In seinen Text sind zudem typografisch abgesetzte Passagen eingestreut, die den Leser zu eigener Meditation anregen sollen, etwa: „Geheimnisvolle Kräfte der Wandlung sind im Labyrinth verborgen. Das Labyrinth ist ein Weg der Neugeburt mitten im Leben.“ Oder auch die folgenden Fragen: „Wo war dein erlösendes Wort gefordert? Hast du es gesprochen?“
Jedes Labyrinth kennt Wendepunkte. Diese symbolisieren die Wendepunkte des Lebens. „Was uns in den Wendepunkten auf dem Weg zur Mitte begegnet, ist nicht allein das Gute, Schöne, Faszinierende, Erhabene; es kann zugleich das Erschütternde, Schreckliche, Grauenhafte sein, die Erkenntnis unserer Schuld, die Mitteilung, dass eine Krankheit unheilbar ist. Im Wendepunkt herrscht heilige Zeit, Traumzeit, Kairos.“
Wenn Wolff das Labyrinth in der Kathedrale von Chartres in seiner Symbolik entschlüsselt, ist das keine verkopfte Lektion, sondern führt tiefer hinein in das Geheimnis des Kirchenlabyrinthes. Das gilt ebenso für Wolffs Vergegenwärtigung des Mythos von Theseus und Ariadne: Wolff deutet Theseus als einen mutigen Helden, der gegen das Erbe des verstockten Vaters Aigeus einen Neuanfang wagt. Ariadne dient Theseus mit ihrem berühmten Faden als „Mystagogin“ und „Seelenführerin“ im Labyrinth und unterstützt ihn so im Kampf gegen den Minotaurus. Aus christlicher Sicht kündigt sich in Theseus’ Sieg über das Ungeheuer der Sieg Christi im Kampf gegen den Teufel an.
Der Hinweis auf ein Labyrinth im Krankenhaus von San Francisco, das nach Wolff das „Vertrauen in die eigenen heilenden Kräfte“ stärkt, leitet über zum antiken „Wellnessparadies“ Epidauros, einer Kultstätte für den Gott Asklepios. Auch dort gab es ein Labyrinth, das den Kranken auf dem Weg zu ihrer Gesundung dienen sollte. Im Dunkel des Labyrinthes wurde eine Wiedergeburt angestrebt.
Der Weg des Wüstenvaters Antonius des Großen ist für Wolff ein Hinabstieg in die innerste Kammer des seelischen Irrgartens auf dem Weg der Stille. Auf diesem Weg lauern zahlreiche Dämonen in Form der berühmten, von vielen Malern dargestellten Versuchungen. Doch der Mönch erreicht die Mitte.
Die Suche des „heiligen Narren“ Parzival nach dem Gral deutet Wolff als Suche nach der eigenen Mitte im Labyrinth des Lebens. Daraus kann jeder lernen: „Der Weg zum Gral ist eine Initiation in die Sprache des Herzens und den Umgang mit dem Kompass, der tief in jeder Seele verborgen ist.“ Es gilt aber auch: „Parzival erreicht den Ort seiner Bestimmung erst, als er ihn nicht mehr sucht. Das Beste wird uns geschenkt.“
Im vorletzten Kapitel erzählt der Autor die Geschichte des Tobias aus dem biblischen Buch Tobit, die Geschichte einer Führung durch höhere Mächte. Diese Erzählung habe „über Jahrhunderte vielen Menschen Mut gemacht, mit Vertrauen den Weg durch das Labyrinth der Welt zu wagen.“ Man könnte das Gleiche auch über Uwe Wolffs Buch sagen: Es macht Mut und stiftet Vertrauen. Mit seiner Betonung der Achtsamkeit, des Loslassens und der Gelassenheit trifft Wolff einen Nerv unserer Zeit, wie in ganz anderer Form auch die heutige Esoterik und Psychotherapie. Wolff erkundet in abenteuerlichen Exkursionen, was Goethe in dem Gedicht „An den Mond“ das „Labyrinth der Brust“ nennt. Es lohnt sich, ihm dabei zu folgen."

Daniel Zöllner. In: Die Tagespost vom 07. Mai 2026

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"Neben bekannten Geschichten, Motiven und Orten wie etwa das Labyrinth von Chartres oder der Ariadnefaden führt seine Reise bis nach Schweden und stellt jeweils unterschiedliche Bezüge zu den großen Fragen des Lebens her: Denn oft konfrontiert uns der Weg zur Mitte mit überraschenden Wendungen und Umwegen. Stichworte wie Befreiung, Heilung, Vertrauen oder Mitgefühl kennzeichnen die jeweils herausgearbeiteten Aspekte der einzelner Kapitel, in denen Lesende zugleich umfassend Einblicke in historische, religiöse und mythologische Bedeutungen von Labyrinthen erhalten. | Nachdem U. Wolff bereits vor 20 Jahren "Alles über Labyrinthe und Irrgärten" (ID-A 36/06) für Kinder in einem Fotobildband veranschaulicht hat, greift er mit diesem Buch kulturgeschichtliche und spirituelle Aspekte verschiedener Labyrinthe der Welt erneut auf. Der Autor publiziert seit vielen Jahren Bücher zu Themen im Schnittbereich zwischen Kulturgeschichte und Religion, insbesondere zu Engeln, Symbolen und anderen Begegnungen und Deutungsangeboten auf dem Lebensweg (vgl. "Das verleugnete Kreuz", ID-B 48/19). Gut lesbar für viele."

Susanne Brand. ekz-Informationsdienst 2026

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https://www.theology.de/service/buecher/buchempfehlungentheologie/wolff_-uwe_-unterwegs-zur-mitte.html