Lemvig hat viel zu bieten:

Köstlichen Fisch,

Menschen in bester Stimmung

und Dänemarks einziges Museum für moderne religiöse Kunst.

 

 

Das Museet for religiøs Kunst in Lemvig

zeigt die hoch gerühmte Austellung

"Grønland I kunsten gennem 300 År"
(27. Juni - 12. Dezember 2021)

Grönland gehört wie die Schafinseln zu Dänemark.

 

 

Im Eingangsbereich des Museums findet sich dieser Engel.

Die Glasmalerei mit der zeitgemäßen Installation "Sprit 85%"
der Künstlerin und Grönlandfreundin Bodil Kaalund (1930-2016)
trägt den Titel "Jakobs drøm" (2006).

Marc Chagall hätte sie nicht besser entwerfen können.

 

 Moderne Kunst will neue Fragen aufwerfen:

"Fördert der Genuss von Hochprozentigem die Wahrnehmung der höheren Welten?"

Unser Engelforscher blickt etwas ratlos.

 

 

Andreas Christian Riis Carstensen (1844-1906) malte diese Fischer.

Nach dem Fang kommt der Tanz.

 

 

 

Offenbar fördert Sprit in rechter Dosierung die Tanzfreude,
wie Jens Erik Carl Rasmussen (1841-1893)
auf seinem Bild "Fangedandsen" (1872) zeigt.

 

 

 

Auch diese Tänzer bei Thule sind in bester Stimmung.

Das Bild stammt von Harald Viggo Graf Moltke (1871-1960).
Er war mit Ludvig Mylius Erichsen und Knud Rasmussen
Teilnehmer der Thule Expedition (1903-1905), erkrankte schwer
und musste die Grönlandreisen aufgeben.

Royal Copenhagen und Bing & Grøndahl
freuten sich, einen tollen Porzellanmaler in ihm zu finden.

 

 

Auch Undine mag den schönen Knud.

 

 

 So wie es Hans Lynge (1906-1988) in "Naja" (1966) ins Bild setzt,
sahen einst gesellige Runden am Polarkreis aus.

 

 

Johanna Marie Fosie (1726-1764)
ist Dänemarks erste bekannte Malerin.
Auch sie malt Tanzende auf Grönland,
ohne die Insel jemals betreten zu haben.

 

 

Per Kirkeby (1938-2018) ist neben Asgar Jorn
der berühmteste dänische Maler des 20. Jahrhunderts.
Sein Bild "Evighedsfjorden" (um 1960) zeigt, warum.

Dänen lieben moderne Kunst
und besuchen ihre Museen sehr gerne.

 

 

Jessie Kleemann. Videoaufzeichnung der Performance

"Arkhticos Doloros" (2019)

 

 

 

 

 

Katholikinnen in Struer/ Johannes Paul II - Kirche

 

Jens lernte ich in Lønstrup an der Westküste Jütlands kennen. Im folgenden Jahr besuchte ich ihn in Kopenhagen. Er führte mich zur kleinen Meerjungfrau und zum Denkmal des Dichters Hans Christian Andersen. Wir erfreuten uns an den handgeschnitzten Pfeifen und den selbstbewussten Frauen, die sie rauchten. Wir besuchten den autonomen Stadtteil Christianshavn und abends das Tivoli. Königin Margarethe II. hatte gerade ihr Amt angetreten. Sie war Stammgast in diesem Vergnügungspark. Spät in der Nacht führte mich Jens in seine Studentenbude. Weil er nur ein schmales Bett besaß, schlief ich im Schlafsack auf nacktem Fussboden wie später bei meinen Reisen durch Zentralasien.

Heute würde ich mich in das herrliche Hotel Admiral einquartieren. Der umgebaute Hafenspeicher liegt in der Mitte der Stadt. In unmittelbarer Nähe am Ofelia Platz wird in den Sommermonaten Tango getanzt. Doch schätze ich auch das Leben in Distanz zur Metropole. Es schützt vor Reizüberflutung und hundert Bildern, die doch kein Bild ergeben. Nachhaltigkeit ist auch ein Gebot der geistigen Ökologie. Erst in der Balance von Nähe und Distanz entsteht jenes viel gerühmte Hygge-Lebensgefühl der Kopenhagener, das einfach dejligt (herrlich) ist. So buchen wir wie Søren Kierkegaard (1813-1855) eine Unterkunft im Strandbad Gilleleje und nutzen die guten Verkehrswege für Tagestouren in die Hauptstadt.

Finanziell unabhängig durch das väterliche Erbe, ohne familiäre Bindungen und Verpflichtungen, lebte Kierkegaard als freier Schriftsteller und großer Provokateur in Kopenhagen. Sein Gegner war die dänische Volkskirche („Folkekirken“), also die Einheit von lutherischer Theologie und Monarchie. Sie findet bis auf den heutigen Tag Ausdruck in den standesamtlichen Aufgaben der Pfarrer wie der Führung von Tauf- und Sterberegistern. Die Königin darf als Oberhaupt der Volkskirche nicht konvertieren. Seit der Taufe Harald Blauzahns (um 960) war das Missionsgebiet des heiligen Ansgar über sechs Jahrhunderte ein katholisches Land. Doch mussten bald nach der Reformation sämtliche Katholiken das Land verlassen. Zu Kierkegaards Zeit gab es knapp 3000 Katholiken in Dänemark. Die meisten von ihnen waren Arbeiter, Künstler oder Gelehrte aus anderen Ländern und wurden von Jesuiten betreut.

Kierkegaard warf seiner Kirche Verrat am Evangelium vor. Die ersten Christen waren erfüllt vom Geist der Nachfolge und zum Martyrium bereit. Dänemarks Pfarrer der Volkskirche aber suchten Wohlstand und bürgerliches Wohlergehen. Sie hätten sich dem Zeitgeist angepasst. „Wie widerlich ist es im Grunde mit diesen Millionen, die Christentum spielen“, wetterte Kierkegaard. Der Kopenhagener Prophet sah sich nicht als Reformer der lutherischen Kirche: „Hier gibt es nichts zu reformieren“. Daher forderte er: „Fliehe die Pfarrer, fliehe sie, diese Schändlichen, deren Gewerbe es ist, Dich darin zu hindern, dass Du auch nur aufmerksam werdest auf das, was wahres Christentum ist.“ Schließlich besuchte Kierkegaard nicht mehr die lutherischen Gottesdienste und wünschte auch keine kirchliche Beerdigung. Mit Luther hatte er gebrochen. „Heutzutage herrscht ein Gesumme wie auf einem Tanzboden mit dem Reformieren wollen. Das kann nicht Gottes Gedanke sein, das ist vielmehr eine läppische Erfindung von Menschen.“

Vor dem Kierkegaard-Denkmal im Garten der Königlichen Bibliothek frage ich mich, wie der trotzige Däne den Tanzboden der deutschen Bischofskonferenz und des synodalen Weges kommentieren würde. „Entweder - oder!“, lautete sein Motto. Würde er jenen die rote Karte zeigen, die jeden Respekt vor dem Amt verloren haben und den Volkswillen zum Evangelium erheben? Was würde er einem Bischof sagen, der die Knie vor den Götzen des Moralismus beugt?

 

 

Bischof Czeslaw Kozon von Kopenhagen

 

Das katholische Zentrum Dänemarks liegt in unmittelbarer Nähe zu Kierkegaards Geburtshaus. In der Domkirche St. Ansgar begegne ich Anna Mirijam Kaschner cps. Die Ordensschwester aus Deutschland leitet die Kopenhagener Konvertitenkurse. Bischof Czeslaw Kozon (*1951) betreut sämtliche Katholiken in Dänemark, Grönland und auf den Farøer. Sein Bistum ist an Mitgliederzahlen das kleinste und flächenmäßig das größte der Welt. Johannes von Euch (1834-1922) war der Neubegründer der katholischen Kirche Dänemarks. Der Sohn eines Schnapsbrenners aus dem Emsland wurde 1892 zum Bischof ernannt. Er betrieb eine erfolgreiche Neuevangelisierung und erkannte die Chance einer Minderheitenkirche, die sich wieder auf ihre Sendung konzentrieren kann.

 

 

Anna Mirijam Kaschner cps

 

Der Mut zur Mission bewegt auch den Kopenhagener Bischof. Anders Kardinal Arborelius OCD, ein schwedischer Konvertit, erhob ihn in der Ritterorden vom Heiligen Grab in Jerusalem. Sr. Anna Mirijam berichtet von dem aktuellen Konvertitenkurs. Unterstützt wird sie von Anna Maria Kjellegaard OSB. Schwester Anna Maria hat eine eigene Kolumne in dem „Kristeligt Dagblad“, in der sie Klartext in allen Lebens- und Glaubensfragen spricht.

Das Kursprogramm umfasst gut 20 Bildungseinheiten, in denen von der Gebetspraxis (Rosenkranz) über die Liturgie bis zur Sakramentenlehre und Soziallehre die Welt des katholischen Glaubens erschlossen wird. Neben Basisinformation zum Alten und Neuen Testament sowie der Kirchengeschichte spielen die Heiligen und das liturgische Jahr eine bedeutende Rolle. Geworben wird durch Flyer, die in den Kirchengemeinden des Inselreiches ausliegen und durch Hinweise auf der offiziellen Bistumsseite. Der Weg zu den Kursen geht meistens über den katholischen Priester vor Ort. Gründe für die Konversion sind vielschichtig, aber alle Wege führen nach Rom. Eine Ehe mit einem katholischen Partner steht bevor, das Vorbild der Großmutter überzeugt und lädt zur Nachfolge ein. Immer wieder erweckt das Erlebnis der Liturgie, besonders an Weihnachten oder Ostern oder die Spendung der Sakramente oder die Teilnahme an einer Beerdigung den Sinn für das Katholische. Noch immer gibt es die grossen Bekehrungserlebnisse wie sie die dänischen Konvertiten Peter Schindler und Johannes Jörgensen erfahren haben. „Hjem“ („Heimkehr“) lautet der Titel eines Buches mit Glaubenszeugnissen aus der Gegenwart.

Konversion als Heimkehr. Mich wundert dieser Mut. Gibt es keinen Widerstand durch die dänische Volkskirche? Dafür sei die Zahl der Konvertiten noch zu gering, sagt Sr. Anna Mirijam. Auf ihre Frage, wie es mit Konvertitenkursen in den deutschen Bistümern aussehe, muss ich passen. Eine missionierende Kirche würde wohl als ökumenischer Affront verstanden werden. Als Ausgrenzung oder Abgrenzung. Zudem habe sich das Glaubenswissen verflüchtigt. „Herrlich!“, lacht sie, „dann könnt auch ihr Glaubenskurse geben.“ Konversion sei kein einmaliger Akt, sondern ein Pilgerweg.

Konvertitenkurse werden jedes Jahr von September bis Pfingsten durchgeführt. In der Regel beginnen 30 Teilnehmer, von denen etwa 20 an Ostern nach einer Evaluation in die katholische Kirche aufgenommen werden. Einige springen ab oder brauchen noch Zeit. Die meisten Teilnehmenden sind Dänen und waren ursprünglich in der Volkskirche beheimatet. Doch nimmt die Zahl der Nichtgetauften oder Muslime zu. Der letzte Kurs mit 24 Teilnehmenden fand Corona bedingt online statt. Da viele Bewerber in der weiten Diaspora Dänemarks in dieser Zeit keinen Kontakt zu ihrer Gemeinde aufbauen konnten, wurden nur zehn Menschen in die katholische Kirche aufgenommen. Drei von ihnen ließen sich taufen. Die anderen Teilnehmer warten noch mit dem letzten Schritt.

 

 

 Pfarrer Wienczyslaw Barwinski (Holstebro/Struer) vor dem großen Heiligen seiner Heimat

 

Die Krise gehört zur Kirche, denke ich. In ihr trennt sich die Spreu vom Weizen. Aber auch Umkehr und Heimkehr wird möglich. Sr. Anna Mirijam verabschiedet sich. Ich trete auf die belebte Straße. An der roten Backsteinfassade von St. Ansgar weht neben der Fahne des Vatikan der Danebrog. Die dänische Fahne aus alter katholischer Zeit hat die blutrote Farbe der Märtyrer und das weiße christliche Kreuz. Der Katholizismus in Dänemark zeigt Flagge. Davon sind wir in Deutschland noch sehr weit entfernt. Der dänische Priester und Universalgelehrte Niels Stensen (1638-1686) glaubte an die Macht der Vorbilder und sprach die Sehnsucht vieler Menschen aus: „Die Heiligkeit des Lebens beweist die Wahrheit der Lehre.“ So dachte auch Kierkegaard.

 

 

***

 

 

Una sancta catholica in vielen Sprachen:

Gesangbücher in Struer/Limfjord

 

In Dänemark gibt es 47673 Katholiken (0,8 % der Bevölkerung).

 

 

 

 

 

 

 

 

"Se så! nu begynder vi.

Når vi er ved enden af historien 

ved vi mere, end vi ved nu",

 

sagt Hans Christian Andersen

zu Beginn seiner "Snedronningen".

 

Wie wahr!

 

So fange auch ich hier an,

das Märchen unseres Sabbatjahres für Euch zu erzählen.

 

 

"O, aber entsetzlich, sich vorzustellen,

in welche Tiefe das Bestehende herabgesunken ist,

welche Tiefe

von Jämmerlichkeit

und Spießbürgerlichkeit

und Mittelmäßigkeit

und Lüge."

 

Søren Kierkegaard.

Tagebuch vom 13. Dezember1854

(Übersetzung von Hayo Gerdes)

 

 

*

 

Der Beitrag kommt!

  Die Østerlars kirke

mit ihren dicken Mauern ist eine Wehrkirche.

Sie bot Frauen und Kindern Schutz vor Missbrauch durch Eindringlinge.

Männer benutzen den Kirchturm als Bastion.

 

 

 

Die Pastorin Meghan D. Jakobsen (*1969)

wohnt im schönsten Pfarrhaus Dänemarks,

schreibt das Kristeligt Dagblad (11. November 2017).

 

https://www.kristeligt-dagblad.dk/liv-sjael/det-er-muligt-komme-velsignet-ud-af-en-skilsmisse

 

Sie hatte für die Weltbank gearbeitet, begleitete ihren Mann nach Riad und schrieb Bücher.

Als ihre Ehe scheiterte, suchte sie Trost in der Theologie,

las Jürgen Moltmanns "Theologie der Hoffnung"

und trat ihre erste Stelle an der Rundkirche von Østerlars an.

Sie ist Skt. Lars geweiht, dem heiligen Laurentius,

der auf einem glühenden Rost zu Tode gefoltert wurde.

 

 

 

 

Unter den Wandmalereien in der Mitte der Kirche befindet sich der Taufstein.

Wer hier getauft wird, der taucht tief ein in das Geheimnis.

Der alte Mensch stirbt, einer neuer Mensch wird geboren.

Christus ist Anfang und Ende:

Die Bilderfolge mit der Geburt Jesu führt zum Weltgericht.

 

 

Da ist der Rachen der Hölle weit geöffnet

und alle Theologie der Hoffnung hat ein Ende.

Gottesdienste finden in der Kirche des heiligen Laurentius in diesem Sommer nicht mehr statt.

Die Pastorin hat schon eine neue Pfarrstelle auf dem Festland.

 

 https://sn.dk/Lejre-Lokalavis--Midtsjaellands-Folkeblad/Praest-er-ikke-noget-man-laver/artikel/1382211

 

 

Trockene Kiele

 

 

 

 

Dieser Exorzist ist noch mit Mundbind, Håndsprit und Tuch im Kampf gegen den unsichtbaren Gegner.

Er will soviel Seelen vor dem atemberaubenden Feuer retten wie möglich.

Der Hüne arbeitet in Allinge.

Hier sollte in diesem Sommer das Baltic Sea Tango Festival stattfinden.

Es hatte uns auf die Insel gelockt.

 

 

 

Sose Odde: Den Rettungsring an den Schuppen hängen

 

 

Vor der Kirche von Åkirkeby finden wir den Mini Crosser X 1-4W der Firma Medema A/S Herning.

Er gilt als das ultimative Modell eines Elektromobiles.

Dänen meiden den respektlosen Umgang mit Menschen jeder Altersklasse und

sprechen nicht vom "Senioren Scooter"

(Wir sind ja nicht auf dem Rummelplatz),

sondern kurz und treffend vom "Bruger".

 

 

 

 Respekt gilt auch an Bord der Fähre

 

 

Einmal an Land  tief durchatmen

 

 

 

und  hinein in dieses kleine Hygge-Pilzhäuschen.

Die Besitzerin kommt aus Japan und

versteckt sich in der Backstube.

 

 

 Im Kunstmuseum finden wir Photographien von Judit Kárász (1912-1977) und uns selbst.

Judit Kárász lebte in den Dreißiger Jahren

einige Zeit auf dem Bauernhof von Hans Henny Jahnn.

 

Er schrieb auf Bornholm seinen apokalyptischen Roman "Fluss ohne Ufer".

 

Der Schriftsteller, Hormonforscher und Orgelbauer Jahnn

wird gerade von der Genderforschung wieder entdeckt.

 

Denn Jahnn war divers und lebte seine Neigungen

- mal für Männer, mal für Frauen -

offen aus.

 

Zu seinen Ziehsöhnen gehörte der junge Hubert Fichte.

 

 

Im deutschen Zentralabitur 2021

gehörte ein Auszug aus Jahnns "Medea" zu den Vorlagen

für das schriftliche Abitur.

 

 

Auf Christiansø lebte Ende der Zwanziger Jahre der junge Edzard Schaper.

Er versuchte sich an einem Roman über Georg Friedrich Händel.

 

 

 Der "Fluss ohne Ufer" mäanderte über 2000 Seiten durch ein Delta und fand kein Meer.

Edzard Schaper schrieb 500 Seiten und erlebte den Schiffbruch.

 

Die Wahrheit im Fragment:

Ruine Hammershus an der Nordwestküste.

 

 

 

 

 Sicherheit geht vor

 

 

auch in der Nylars kirke.

 

 

 

Jons Kapelle:

Hier lebte ein Einsiedler und predigte in einer Zeit der Krise

die radikale Umkehr.

 

 

 

 

 Die Weisheit alter Runensteine: Brogårdssteenen

 

 

 

 

 Mehr Meer geht nicht,

 

 

 

doch Kühlung finden Mensch und Hund auch bei diesen Bautasteinen von Hjortebakken.

Sie erzählen Geschichte und wie man sie besteht.