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Klimawandel
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Munsalvaesche und Marienheide liegen verborgen in den Wäldern.

 

 

+Josef Homeyer (1929-2010) wollte einst die Gründung dieses Klosters.

Einige seiner Zeitgenossen freuten sich sehr darüber,

andere witterten die Reconquista.

 

"Ungeduld und Rastlosigkeit"

bescheinigte dem Bischof von Hildesheim sein Biograph Michael Lukas.

 

Gott sah es ähnlich.

 Zur Erprobung seiner Geduld (patientia)

sandte er ihm zehn Schwestern:

Marie Ange, Adele, Brunel, Fides, Hildegund, Mareike.

Marikel, Pacificia und Theresita.

 

Kein Ort im Bistum Hildesheim war ihnen recht,

und als alles im "Anwesen Hertel"

bei Neuenkirchen in der Lüneburger Heide gerichtet schien,

da war es doch nicht richtig.

 

Engel gehen keine Kompromisse ein.

 

*

 

"In den Kartäusern bewundere ich Menschen,

die sich vom Fetisch des Fortschritts niemals bezaubern ließen,

die stark genug waren, sich auch heute noch in ihrer ureigensten Berufung zu halten,

auf einer Höhe, die sich nur wenig von dem Ausgangspunkt entfernt hat."

Emil Baumann. Die Kartäuser.

 


*

 

Wegweiser zum Kloster Marienheide gibt es nicht. 
Kilometerweit durch einsame Gegend führt der Feldweg.


"Wenn Du das Gefühl hast, es gehe nicht mehr weiter,"
sagt mir der Wanderer,

"dann bist Du richtig. Du musst einfach weiter fahren.
So wirst Du das Kloster erreichen."

 

Die Nonnen stehen in der Tradition der Kartäuser.


Tabor und Golgatha:
In der Vesper erinnern die Schwestern an die zwei Berge Christi.
Auf dem Tabor wurde die Gestalt Christi verklärt -
weißer als alles Weiß, das Menschenhand durch Bleichung herstellen kann.
 
Weißer als weiß ist der Habit der Nonnen.
 
Er ist beides: Gewand der Verklärung, Gewand des Todes.
Die Schwestern werden in ihren weißen Gewändern beerdigt werden.
 

 

*
 

 "Stat crux, dum volvitur orbis"

 

 

Kloster Marienheide liegt am Ende der Welt.


Wir denken an Parzival in Soltane

und an die Inklusin Sigune mit Schionatulander,

das Urbild der Pieta.

 

 


 
Schon einmal herrschte hier Aufbruchstimmung,
als sich Deutschlands Jugend auf dem Hohen Meissner (13./14. Oktober 1913)
zum Freideutschen Jugendtag  traf.
 
Unweit des Klosters steht Burg Ludwigstein. Es beherbergt das Archiv der deutschen Jugendbewegung.
Auf einer Bronzetafel dieser Burg der Wandervögel lesen wir:
 


"Die Freideutsche Jugend will nach eigener Bestimmung 
von eigner Verantwortung in innerer Wahrhaftigkeit
ihr Leben gestalten!
Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein.
Alle gemeinschaftlichen Veranstaltungen der Freideutschen Jugend sind alkohol- und nikotinfrei."
 
 

 

 

Nur Weihrauchdämpfe erfüllen die Kirche,
und Alkohol nehmen die Schwestern nur beim Messopfer zu sich,
wenn mal ein Priester den Weg zu Ihnen in die Einöde findet.
 
 

Kloster Marienheide weiß sich auch der russischen orthodoxen Tradition verbunden.
Ikonen überall.


Eine Nachbildung der Dreieinigkeit von Rubljev in der Gästekapelle.
 
Nonnen führen ein Engelleben auf Erden.
  

 

 

 

Tritt ein!
 
Auf dem Tischchen
stehen Weihwasserfläschchen.
Ein Geschenk der Schwestern an die Besucher.
 


 

 

 

Das Chorgestühl mit kleinen Ikonen.
Jede Ikone ist ein Fenster zum Himmel.
 
 

 

Mit den Knieen des Herzens beten.
Besucher schauen von der Empore in die Kirche.
 
 
  

 

 

Vesperläuten.

 

 

 

 

 

Die Schwestern bekreuzigen sich immer wieder.
Dabei berühren sie mit der Rechten den Boden.
 
Die Metanie hält den Körper geschmeidig und beugt Rückenproblemen vor.
 
Die Gastschwester beweist es nach der Vesper.
Um den Weg vom Gästehaus zur Kirche  abzukürzen,
springt sie mit mädchenhafter Leichtigkeit über ein Mäuerchen.
So geht Dynamik von Geist, Leib und Seele!
 
Am Ende der Vesper liegen einige Schwestern auf dem nackten Boden
und verharren in der weißen Stille.
Ob sie Fußbodenheizung haben?
Die Kirche ist warm. Heizkörper sind nicht zu sehen.
 
Hier könnte man auch gut Tango tanzen, denke ich.
 
In der Kirche tanzen sie nicht, sagt später die Schwester.
Aber was jede einzelne in ihrer Zelle mache,
 gehe nur sie etwas an.
Die Schwestern verbringen ihr Leben in ihren Zellen.
Hier nehmen sie auch einmal am Tage eine Mahlzeit zu sich.
 
Drei Mal am Tag treffen sie sich in der Kirche
zu Laudes, Vesper und Messe.
 
Der Montag ist Wüstentag.
Da bleibt jede mit ihrem Schutzengel allein.

 

 

Die Berührung der Erde ("humus") beim Schlagen des Kreuzes
sei Ausdruck der Demut ("humilitas"),
erklärt mir später eine Freundin.
 
Bei Besuchen in Ostkirchen sei sie noch immer sehr beeindruckt,
wenn sie die Geschwindigkeit und Leichtigkeit der Bewegung erlebe.
 
Die Nonnen strahlen eine große Heiterkeit aus.
Ihre Bekreuzigung ist die paradoxe Einswerdung von größter Demut
und souveräner aufrechter Haltung.
 
Wie schaffen sie das?
 
Kartäuserinnen verlassen ihr Kloster nie mehr.
Kein anderes Telephon als das Handy des Herzens,
keine e-mail als das Gebet.
 
Wer braucht mehr?
 
Schauen sie Filme an?
Zum Beispiel Philipp Grönings "Die große Stille"?
 
Nein, natürlich nicht. Sie leben ja in der Stille.
 
Aber vor einem Jahre haben sie einen Film über Paul VI. gesehen.
Warum gerade Paul VI. und nicht Johannes Paul II.? 
 
Ich frage nicht.
Aber ich verrate die Nummer, die weiterhilft.

 

 

 

+Josef hatte die Schwestern gerufen.

Sie kamen und gingen weiter in ein anderes Bistum.

Da war +Josef richtig sauer.

Dann wuchs er über sich hinaus

und freute sich.

Später beugte er sein Haupt.