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Hans Blumenberg
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Horizontabschreitung in Bjerghuse/Vesterhavet

 

Unter dem Datum des 26. Februar 1996 hatte mir Hans Blumenberg seinen letzten sehr umfangreichen und theologisch dichten Brief geschrieben. Von seinem bald darauf erfolgten Tod informierte mich ein Anruf des Lübecker Arztes Ulrich Thoemmes. Trotz der auch mir bekannten Mitteilungen über den Gesundheitszustand hatte ich den letzten Brief nicht als Abschiedsgruss gelesen. Es mag merkwürdig klingen: Ich hielt Hans Blumenberg für unsterblich. Das ist er ja auch.

 

Marcel Proust spricht in seinem Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von dem „guten Engel der Gewissheit“ („le bon ange de la certitude“). Er ist, wie Hans Blumenberg in seinem Buch „Höhlenausgänge“ (1989) kommentiert, der Hüter von Anfang und Ende und des „reinen Einklanges mit sich selbst.“

 

Sein Vater habe Prousts Poetik der Horizontabschreitung drei Mal gelesen. Zum ersten Mal als Schüler  in der Teil-Übersetzung von Walter Benjamin. Zum letzten Mal in den Wintermonaten vor seinem Tod. So berichtet sein Sohn Tobias Blumenberg, der erste Herausgeber des Nachlasses und beste Kenner von Leben und Werk. Das französische Original in der Ausgabe der Pléiade habe sein Vater einmal gelesen.

Die Bibliothek eines Menschen ist Spiegel seiner geistigen Existenz. Aus seinen letzten Lektüren ist vielleicht ein Rückschluss auf letzte Haltungen möglich. War die Aufführung der Geschichte eines Wüstlings („The Rake’s Progress“) von Igor Strawinsky eine willkommene Ablenkung? Wie ernst nahm er die Geschichte zweier alt gewordener Brüder, die Thomas Bernhard in einem Zweiakter auf die Bühne brachte? „Der Schein trügt“ heisst das Drama misslungener Kommunikation. War das zum Lachen oder zum Weinen? Eine Tragödie war die Ehe von Jacob und Susan Taubes, über die die Tochter eines Rabbiners in ihrem Buch „Scheiden tut weh“ (1995) berichtet. Um schmerzhafte Erinnerungen geht es auch in Isaac Bashevis Singers Roman „Meschugge“ (1996). Vielleicht war der Tod von Wolfgang Koeppen (1906-1996) Anlass, sein Erinnerungsbuch an Venedig zu lesen. Vielleicht wollte sich Hans Blumenberg an seine eigene Italienreise und den Besuch dieser Stadt erinnern?

Zu den letzten Lektüren gehörte auch das ihm gewidmete Buch "Der gefallene Engel" und eine Rede mit dem Titel „Wohin geht die Kirche?“, die ich etwas vollmundig in Anwesenheit des Bundespräsidenten Roman Herzog und Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen gehalten hatte:

„Kirche will populär sein, zeitgemäß, liberal, tolerant, weltoffen. Sie will nicht anstößig sein. Ihre größte Versuchung besteht darin, dass sie von der Welt geliebt sein will. Die Krise der Kirche ist ihre eigene Glaubenskrise.“

 

Dieser Ton muss Hans Blumenberg gefallen haben. Die Blumenberge gehören zu einem alten katholischen Geschlecht aus dem Bistum Hildesheim. Der erste dokumentierte Vorfahre hieß Hans Blomberg. Sein Haus steht noch immer im Stadtteil Himmelsthür. Er stiftete das Taufbecken für die Ortsgemeinde St. Martinus. Martin, Josef, aber auch Johannes, Caspar und Konrad waren beliebte männliche Vornamen in der Familie. Der niederdeutsche Name Blomberg wurde Anfang des 17. Jahrhunderts in Blomenberg, später in Blumenberg verdeutscht. Aus diesem Geschlecht sind zahlreiche Priester hervorgegangen. Noch heute wirkt in der St. Gallus Gemeinde Detfurth der Pfarrer Thomas Blumenberg.

Hans Blumenbergs Vater Karl Joseph Blumenberg hatte das Hildesheimer Gymnasium Josephinum besucht, dann eine Lehre als Buchhändler bei Hermann Olms abgeschlossen, um anschließend einen Verlag mit religiöser Kunst in Lübeck aufzubauen. Die heimatliche Bindung war ihm so wichtig, dass er im Jahr 1936 mit seinem Sohn Hans (der Bruder Rolf war im Kindesalter gestorben) eine Reise durch das Hildesheimer Land unternahm. Bei diesem Verwandtenbesuch zeigte er ihm das Gelände an der Innerste, wo einst die Gärtnerei von Konrad Blumenberg stand. Konrad ist der dritte Vorname von Hans Blumenberg.

Das Siegel der Blumenbergs zeigt eine Schwertlilie mit jeweils drei Knospen an beiden Seiten. Der Wappenspruch lautet „Serva Candorem“. Er passt gut zur Ausrichtung des jungen Blumenberg, auch wenn er ihn wahrscheinlich nicht gekannt hat.

„Bewahre die Aufrichtigkeit!“, so könnte man den Wahlspruch der Blumenberge übersetzen. Doch sind die Worte von einer Vieldeutigkeit, wie sie Hans Blumenberg liebte. „Bewahre die Reinheit!“ oder auch „Hüte das Licht!“ sind erlaubte Konnotationen.

„Raube das Licht aus dem Rachen der Schlange!“, lautet eine Maxime jenes Autors, dem die Erwählung als „Gottbegnadeter“ ebenso wenig erspart blieb wie Agnes Miegel. Hans Carossa gehörte für Blumenberg zu den wichtigsten Autoren seiner Jugendzeit. Deshalb schrieb er 1938 eine Seminararbeit über Hans Carossa.

 

„In jenem Jahr 1938 konnte niemand Hitlers Überlegenheit bestreiten“, wird Hans Carossa in „Ungleiche Welten“ (1951) schreiben und: „Zu Beginn des Jahres 1939 empfing ich zwei amtliche Briefe, die beide einen Glückwunsch zu Hitlers Geburtstag verlangten. Dergleichen Huldigungen wurden damals wie Steuern eingetrieben, und in diesem Fall mit besonderem Nachdruck, denn dieser Geburtstag war einer von denen, welche Rilke die ‚betonten‘ nannte: der fünfzigste. Eine bloße Gratulation wurde leider von vornherein als ungenügend bezeichnet; sie sollte mit einem klaren Bekenntnis zum Führer verbunden sein. Das öfters bewährte Schweigeverfahren blieb erfolglos; die Mahnungen trafen pünktlich ein. (…) Dieser Glückwunsch für Hitler war zu einer Zeit geschrieben, wo man die Hoffnung, ihn jemals loszuwerden, hatte aufgeben müssen.“

 

Ermutigt wurde der Schüler Blumenberg zu seinem Zeugnis für das Licht des Glaubens und der Vernunft durch seinen geliebten Deutschlehrer Wilhelm Krüger. Er hielt ihm über den Tod hinaus die Treue und half seiner Witwe Else Krüger und ihren vier Kindern in schwieriger Nachkriegszeit. Wilhelm Krüger lehrte ihn jenen Stil vielfacher Bedeutungsebenen, mit dem Blumenberg in einer Zeit, da er nichts direkt sagen durfte, alles sagen konnte.

 

Der vom Licht berührte Mensch ist der „Erleuchtete“, der Heilige, den Blumenberg in der Gestalt des Paters Rupert Mayer erkennt. Er bezeugt die „Formkraft der Kirche“. Er ist zum Hüter des Lichtes bestimmt. Er ist der wehrhafte Mensch, der Mensch in Rüstung. Er hat „Kraft und Willen zu eigener Behauptung im Strom der niederziehenden Gewalten“. Der Carossa-Aufsatz entwirft ein Ideal, dem Blumenberg zeitlebens gefolgt ist:

 

„Sammlung und Bewahrung der Kräfte ist darum das Gesetz der Zeit; der Mensch in Rüstung darf nicht allein stehen bleiben, Seelen, die seines Schutzes bedürfen, nimmt er in seinen Kreis, den er abgrenzt und schützt - so entsteht eine geistige Führung, die ein Bollwerk des Geistes in feindlicher Zeit ist.“

 

Blumenberg war in theologischen Fragen nicht nur äußerst beschlagen, sondern besaß eine sehr gründliche Kenntnis der kirchlichen Lehre und der Kirchenväter, wie ja auch seine Bücher beweisen. Die Kirche war für ihn die Hüterin der Erinnerung. Einst hatte er „Die wiedergefundene Zeit“ in jeder Messe erlebt. Seine kirchlichen Prägungen kamen aus der inzwischen vielfach „verlorenen Zeit“ des Ersten Vatikanischen Konzils. In diese „Urstiftung“ seiner religiösen Sozialisation kehrte er nun am Lebensende zurück. Zu den letzten Lektüren gehörte der dritte Band der Konzilsgeschichte des Vaticanum I. (1869-1870) von Klaus Schatz SJ.

Das Konzil hatte das Unfehlbarkeitsdogma („Infallibilitas“) verkündet. Ob sich der Katholik Hans Blumenberg daran oder etwa an das von Pius X. im Jahr 1854 erhobene Dogma von der unbefleckten Empfängnis („Maria immaculata“) gebunden wusste? Gewiss ist: Er war ein entschiedener Gegner all jener Reformer, die über Jahrhunderte Geglaubtes und Erinnertes dem Zeitgeist opfern wollten.

 

Mit letzten Worten ist die Vorstellung von einer letzten Haltung, einer allerletzten Botschaft oder einer im letzten Atemzug vollzogenen Konversion verbunden. Zu den Sammlern letzter Worte gehörte Ernst Jünger. Er hatte sich bereits in den Fünfziger Jahren Postkarten mit Eintragungen drucken lassen: Autor - Letztes Wort - Quelle. Hans Blumenberg kannte diese Sammlung und kommentierte sie im Spätherbst seines Lebens. Diese Adnoten erschienen posthum unter dem Titel „Der Mann vom Mond. Über Ernst Jünger“ (2007).

Wie Blumenberg besaß Jünger viel Humor und eine nie versiegende Liebe zum Wein. Zudem war der drahtige kleine Mann recht trinkstark. Der durchzechten Nacht mit Freunden folgte eine Art Poetry-Slam für letzte Worte. „Melde mich zur Stelle!“, empfahl der Sekretär Armin Mohler als Parole an der Zeitmauer. Jünger, damals noch im beinahe jugendlichen Alter von 55 Jahren, lehnte ab und schlug statt des militärischen Kommandos vor: „Bitte vorbeitreten zu dürfen!“

 

Wenige Jahre vor seinem Tod greift Blumenberg in seiner Glosse „Ein Zeckenbiß“ einen anderen Kommentar des Uralten auf. Nach einem Zeckenbiss hatte „Bild“ (25. August 1993) ins Land posaunt: „Ernst Jünger (98): Herzinfarkt. Ein Jahrhundert-Mann kämpft mit dem Tod. Der umstrittene, aber fast geniale Schriftsteller Ernst Jünger erlitt einen Herzinfarkt! Ein großer Deutscher liegt im Sterben.“ Auf diese von Rolf Hochhuth in die Welt gesetzte Falschmeldung reagierte Jünger: „Von denen muß ich mich ja nicht gerade beerdigen lassen.“

Der Kommentar hätte gut in Jüngers Sammlung letzter Worte gepasst, meinte Blumenberg, als er die Anekdote nach der Rekonvaleszenz aus einer sehr schweren gesundheitlichen Krise kommentierte. Er war der Zeitmauer sehr nahe gekommen, konnte jedoch kein letztes Wort von dieser Stelle berichten. Nun war er selbst in ein Alter gekommen, wo vorletzte Fragen wie die Durchführung der Beisetzung geklärt werden wollen. Er entschied sich für die Seebestattung. Ein Artikel zu Jüngers einhundertstem Geburtstag gehört zu Blumenbergs letzten veröffentlichten Arbeiten.

 

Hans Blumenberg war zeitlebens ein sehr aufmerksamer Leser der Bibel. Als er 1988 seine Exerzitien unter dem Titel „Matthäuspassion“ veröffentlichte, war der Emeritus 68 Jahre alt. Er meditierte über die letzten Worte Jesu und lotete mit seinem descensus ad inferos den Abgrund des Karsamstags aus.

Eher spielerisch hatte er ein Jahr zuvor in „Die Sorge geht über den Fluß“ (1987) einen Wettbewerb über ein anderes letztes Wort ausgerufen:

 

„Ich würde gern wissen, was man im nächsten Jahrtausend über den Tod und die ‚letzten Worte‘ Heideggers und seiner Anhänger berichten wird, und hielte einen Wettbewerb für unbedenklich, der Vorschläge an die Tradition weiterzureichen hätte.“

 

Er nähme es „gern aus privater Indiskretion, habe es aber nicht“, gesteht Blumenberg. Was könnte der sterbende Heidegger gesagt haben? Blumenbergs „Wetteinsatz“ lautet: „Kein Grund mehr zur Sorge.“ Das klingt harmloser als es ist und forderte wohl deshalb den bekennenden Atheisten Walter Bröcker (1902-1992) heraus. Der hatte von Siegfried Bröse (1895-1984) ein letztes Wort des einstigen Hitlerverehrers übermittelt bekommen. Am Morgen des 26. Mai 1976 wollte Heidegger nicht aus dem Bett aufstehen. „Ich bleibe noch liegen“, soll er seiner Frau Elfride erklärt haben. Er wachte nicht mehr auf.

Für viele Menschen starb Heidegger einen idealen Tod: Alt und lebenssatt, nicht ernsthaft krank. Kein langes Leiden unter den Folgen eines Schlaganfalls, keine Herzbeschwerden, keine Lungenentzündung, keine schlaflosen Nächte. Wenn Heidegger wegen seiner Affären und Affinitäten einen Grund zur Sorge gehabt hätte, so hatte er ihn nicht mehr.

 

Ich hätte gerne den greisen Blumenberg erlebt - wie ich Ernst Jünger in der alten Oberförsterei von Wilflingen mehrfach erleben durfte. Beide waren Menschen, die sich selbst treu blieben und von keinem Zeitgeist verbiegen ließen, weil sie ihre Berufung kannten und ihr durch alle Widerstände folgten.

 

Hans Blumenberg wurde - wie mein Vater - 75 Jahre alt. Neben dem Verstorbenen lag eine Ausgabe des Neuen Testaments in der Übersetzung von Carl von Weizsäcker (1822-1899), berichtet sein jüngster Sohn. Mein Vater hatte nie einen Blick in die Bibel geworfen.  Er war früh aus der Katholischen Kirche ausgetreten. Blumenberg blieb ihr treu. Mein Vater war ein Sohn der Erde, der im Buch der Natur zu lesen verstand. Kein Mann des Wortes, auch nicht letzter Worte. Er hatte während seiner Jugend in der Hitler-Zeit zu viele Worte vernommen, die sich später als Lüge erwiesen hatten. Er glaubte an die Liebe zu seiner Familie. Mehr Glauben brauchte er nicht. Alles, was wirklich wichtig ist, kommt aus der Familie und bleibt in ihr. Das war seine Überzeugung. Die letzten Dingen überläßt man keinem Fremden, auch keinem Priester. So wollte er, dass ich ihn beerdige und die Rituale vollzog. Das habe ich gemacht.

 

Vielleicht gab es von Hans Blumenberg ein letztes Segenwort. Ein „Gott schütze…“ Ein Amen und Dank. Wir wissen es nicht. Wüßten wir es, hätten wir zu schweigen. Denn echte letzte Worte gehen niemanden etwas an. Nur Gott allein.

 

 

 

 Im Ostchor des Paulus-Domes zu Münster

 

Aber es gab bewußt gewählte letzte Botschaften. Die Heinrich Heine-Ausgabe sichtbar platziert auf einem Stapel alter Zeitungen neben dem Schreibtisch. Nur der Empfänger verstand dieses Zeichen zu lesen.

Heinrich Heine hatte in seinem Testament (§ 7) verfügt: „Obschon ich durch den Taufakt der lutherischen Konfession angehöre, wünsche ich nicht, dass die Geistlichkeit dieser Kirche zu meinem Begräbnisse eingeladen werde. Ebenso verzichte ich auf die Amtshandlung jeder andern Priesterschaft, um mein Leichenbegängnis zu feiern. Dieser Wunsch entspringt aus keiner freigeistigen Anwandlung. Seit vier Jahren habe ich allem philosophischen Stolz entsagt und bin zu religiösen Ideen und Gefühlen zurückgekehrt. Ich sterbe im Glauben an einen einzigen Gott, den ewigen Schöpfer der Welt, dessen Erbarmen ich anflehe für meine unsterbliche Seele.“

 

Auf der Todesanzeige stand der 28. März 1996 als Datum. Am 28. März 1942 wurde Blumenbergs Elternhaus von britischen Bombern in Schutt und Asche zerbombt. Die umfangreiche theologische Bibliothek verbrannte. Der kleine schwarze Terrier seiner Mutter wurde verschüttet und starb. Dass Hans Blumenberg an diesem schwarzen Tag gestorben sei, stimmt nachdenklich. Kann das ein Zufall sein?

 

„Kann man das ausdenken? Diese Doppeldeutigkeit“, fragt Blumenberg in „Letztes Wort“. War das Todesdatum etwa eine Sinnstiftung? Eine Legende?

 

In seinem Nietzsche-Buch hatte Ernst Bertram über die Legende als lebendigste Form geschichtlicher Überlieferung geschrieben. „Was als Geschichte übrig bleibt, von allem Geschehen, ist immer zuletzt - das Wort ganz ohne kirchliche, romantische oder gar romanhafte Obertöne genommen - die Legende. Die Legende in solchem entkirchlichten Sinne ist die lebendigste Form geschichtlicher Überlieferung.“

 

Hans Blumenbergs Asche wurde nicht in der Lübecker Bucht vor Travemünde oder Niendorf versenkt, sondern in der Kieler Bucht vor Laboe. Auch hier ließe sich besonders unter jenen Lübeckern, die Hans Blumenberg zu Lebzeiten gerne in ihre Arme geschlossen hätten, spekulieren. Blieb er über den Tod hinaus unversöhnt mit seiner Vaterstadt?

 

„Letzte Worte werden von den anderen überliefert, die sie gehört haben oder gehört haben wollen“, schreibt Blumenberg in „Das eine letzte Wort“. Um alle möglichen Falschmeldungen auszuschließen, wählte der Meister der indirekten Mitteilung den einzig sicheren Weg der Mitteilung seiner letzten Worte.

 

 

 

Gedenkmarke vom 7. März 1996:

"Nec laudibus, nec timore"

 

 

Am 7. März 1996 brachte die Deutsche Bundespost eine Gedenkmarke zum 50. Todestag des Löwen von Münster heraus. Hans Blumenberg hatte einst an der Seite seines Vaters die Bischofsweihe (28. Oktober 1933) miterlebt. Später, in seinen Münsteraner Jahren, hatte er vom Fenster seines Arbeitszimmers aus einen direkten Blick auf den Dom mit der Grablege des Kardinals von Galen.

Der bischöfliche Wahlspruch lautete: „Nec laudibus, nec timore“. Dieser Spruch stand neben einem Portrait des Kardinals auf der Sondermarke. Hans Blumenberg war nicht nur ein Sammler von Briefmarken, er wählte sehr bewusst bestimmte Marken zur Frankierung seiner Post. So war es gewiss kein Zufall, dass die Umschläge mit der Traueranzeige für Hans Blumenberg mit der Sondermarke für Kardinal von Galen frankiert wurden. Auf ihr standen als letzte Worte des Philosophen „Nec laudibus nec timore“.

 

Das Grab des Kardinals befindet sich hinter dem Altar des Paulus-Domes. Hier erinnert eine Gedenktafel an den Besuch des Heiligen Johannes Paul II. Der polnische Papst zündete eine Kerze an und kniete nieder zum Gebet. Ich denke, Hans Blumenberg hätte nichts dagegen, wenn der Besucher an dieser Stelle auch eine Kerze zu seinem Gedenken opferte.

 

 

 

Undine zündet eine Kerze an.

"Hic exspectat resurrectionem mortuorum...."