James Joyce trug immer einen Schlüpfer seiner Frau in der Jackentasche.

Rilke liebte ebenfalls weiblichen Zierrat. Aber er kannte einfach zu viele Frauen,

um von allen die Leibwäsche im Rucksack durch ganz Europa zu tragen.

Rilke ist der Dichter der Liebe. Ein Genie des Nehmens und Gebens.

Aber muss ich ihn lieben?

 

 

 

Rainer Maria Rilke:

Frauen, Engel, Hunde

 

 

Rilke konnte ich nicht riechen, obwohl er zwei Hunde in seinem Wappen trug. Ich weiß, dass ich mich durch dieses offene Wort bei einigen Leserinnen unbeliebt mache. Aber wer Klartext redet, muss bei allem Verlangen nach Liebe auch eine Liebesverweigerung aushalten. Ich will mit meinem Blog keine politische Karriere vorbereiten, keine Partei der Kleintierhalter gründen und als erster Hund in den Deutschen Bundestag gewählt werden. Daher brauche ich auch keine Mehrheiten. Wer Klartext redet, der sucht Wahrheit und Wahrhaftigkeit. 

 

Mein Blog steht in der Tradition der europäischen Aufklärung eines Voltaire, Diderot, D’Alembert. Von Rousseau dagegen möchte ich mich abgrenzen. Wer einen Erziehungsroman wie den „Emile“ schreibt und den blitzgescheiten Fachmann für Pädagogik spielt, seine eigenen Kinder aber ins Waisenhaus steckt, kann kein Vorbild sein. Auch Rilke war ein Besserwisser in allen Fragen der Erziehung von Kindern und Hunden. Er schrieb begeistert über Ellen Keys „Das Jahrhundert des Kindes“ und verließ zugleich sein eigenes Kind und seinen Hund. Wenn ich mich zwischen Rousseau und Rilke entscheiden müsste, würde ich sagen: Lieber wäre ich der Sohn von Rousseau als die Tochter oder der Hund von Rainer Maria Rilke gewesen. Mein Karma hat mir diese Wiedergeburt erspart, nicht aber die Begegnung mit Rilke.

 

Ich weiß: Viele Hunde liebten Rilke. Ob Rilke im Worpsweder Moor auf schmalen Pfaden ging, auf Schloss Duino dichtete, ein Postamt in Paris aufsuchte oder in Cordoba in einem Straßenkaffee saß: immer suchte ein Hund seine Nähe. Ich will hier meine Artgenossen nicht schlecht machen, aber: Ein echter Chiller biedert sich nicht an. Er bleibt cool, auch wenn der Kaiser von China den Raum betritt. Rilke dagegen wurde geradezu närrisch, wenn er mit Comtessen, Fürstinnen und Prinzessinnen verkehren durfte. Der vielgereiste Mann trug stets den Gotha bei sich, ein Verzeichnis der Mitglieder des europäischen Adels. Rilke hätte seine gesamte Dichtung dafür gegeben, wenn sein Name in dieses heilige Buch der Blaublütigen aufgenommen worden wäre. 

 

In mir floss das alte blaue Blut des Ostens. Meinen Ahnen war der Umgang mit hohen Herren und höchsten Damen so vertraut, dass sie sitzenblieben, wenn der Kaiser von China einen der Paläste in der verbotenen Stadt betrat. Deshalb nannte man uns auch Schosshunde oder in der blumigen Sprache des alten Chinas „Wächter der heiligen Pforte“, weil wir im Schoss unserer Damen in vollkommener Gelassenheit verharrten, bis die Audienz beendet war. Wer den Duft chinesischer adeliger Damen aus der Qing-Dynastie kennt, wird verstehen, dass uns diese Wächteraufgabe vor der heiligen Pforte nicht schwer fiel. 

 

Über Rainer Maria Rilke würde ich hier nicht bloggen und mich unbeliebt machen, wenn sich Doggy nicht an eine Biographie dieses überschätzten Dichters gewagt hätte. Zwei Dinge hatte er herausgefunden und in einem Forschungsantrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) dargelegt:

 

1. Rilke erwähnt neben seinem Kuschelhäschen viele weitere Tiere. Doggy wollte einen Index Bestiarum Rilkensis, ein Verzeichnis sämtlicher Zwei- und Vierbeiner in Rilkes Werk einschließlich der Korrespondenz erstellen.

 

2. In Rilkes Leben kommen zehn namentlich bekannte Hunde vor, deren Biographie ein Desiderat ist. Da Rilke viel zwischen Schweden und Ägypten, Russland und Spanien unterwegs war, beantragte Doggy zusätzlich ein Reisestipendium zur Erforschung der Biographia Cynologica Rilkensis.

 

Ich finde nicht, dass man für diese Entdeckung gleich einen Ehrendoktor der Harvard Universität oder den Stuttgarter Hanns-Joseph Ortheil-Preis bekommen muss. Doggy aber redete über Wochen nur noch von Rilkes Hunden, als hätte der Dichter nicht auch weiße Kaninchen, Panther, Ziegen und Engel beschrieben. Doggys Rilke-Studien fielen in eine Zeit, in der Undine stark durch das schriftliche Abitur in Anspruch genommen war. Da hat sie den Kopf für Doggys Forschungen nicht frei. Aber auf Hundegeschichten reagiert sie selbst im Schlaf. Wenn ich eine Klausur bei Undine schreiben müsste, würde ich ihr wie zufällig ein Hundebuch auf das Lehrerpult legen. Selbst in der Abi-Klausur würde sie alles um sich herum vergessen und die Schüler könnten nach Herzenslust mogeln. 

 

„Die große Liebe“, „Das Verlangen nach Liebe“, „Liebesnähe“ lauteten die ersten Arbeitstitel von Doggys Projekt. Dann entschied sich Doggy für „Feuchte Küsse: Hunde, Engel, Rilke“. Dem Mann ist auch nichts peinlich, wenn es um Undine geht. Kein Wunder, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Antrag abschmetterte. In Rilkes Gedichte kann man vieles hineinlesen. Wer aber aus Rilke einen Hundespezialisten und großen Liebenden macht, nur um das Herz seiner jungen Frau in stetem Liebesverlangen zu halten und Liebesnähe zu erzeugen, der arbeitet unwissenschaftlich und ist ein alter Esel. Man sollte ihm die venia legendi entziehen. 

 

Denn Rilke liebte nur sich selbst. Von Hunden und Engeln hatte er keine Ahnung. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich war Fou-Li, der blaublütige Pekinese von Lally Horstmann. Lally kann man nicht mit Undine vergleichen. Denn Lally war mit dem steinreichen und viele Jahre älteren Herrn Horstmann verheiratet. Doggy ist zwar auch älter als Undine, aber ein armer Schlucker. Lally und ich reisten mit unserer Dienerin von Berlin an den Genfer See, wo wir standesgemäß im Sanatorium Val Mont residierten. Wir hatten den Winter im kalten Berlin verbracht und brauchten nun etwas Frühlingsluft in südlicheren Gefilden. Lally war zudem mit ihrem ersten Kind niedergekommen. Der Säugling wurde durch eine Amme versorgt und blieb in Berlin. Unsere Dienerin packte mit jener Selbstverständlichkeit meine und Lallys Koffer, die unsere Fahrt von Beginn an erholsam werden ließ. Ich führe dies auch auf die Achtsamkeit zurück, mit der unser Personal den transportablen Wok und den Bambuskorb zum Dämpfen meiner Mahlzeiten verpackte. 

 

Damals war ich der Pekinese Fou-Li, heute bin ich Tobit, der Blogger. Damals reiste ich im eigenen Abteil erster Klasse mit der Bahn, heute in einem kleinen Mercedes A 140, der über 200000 Kilometer auf den Achsen hat. Eines aber ist geblieben: Damals wie heute kümmere ich mich nicht um Reisevorbereitungen, Proviant, Finanzen, Unterkunft. Dafür war und ist das Personal zuständig. 

 

In Val Mont bewohnten wir standesgemäß das schönste Zimmer mit einem großen offenen Kamin. Bereits am ersten Abend machte uns der Chefarzt seine Aufwartung und überreichte mir ein Püree aus chinesischen Wollhandkrabben auf Algenparfait und Lally eine Rose mit dem Namen „Un Jardin sur le Nil“. Diese Blume, sagte der Mann in Weiß, überbringe er ihr im Auftrag eines berühmten Gastes, dem Dichter des Stundenbuches, des Buches der Bilder, des Malte Laurids Brigge und der Duineser Elegien. 

 

„Ah, Rilke ist hier!“, sagte Lally. „Kann er sich den Aufenthalt überhaupt leisten?“ 

Lally kann herrlich aus der Rolle fallen. Das liebe ich an ihr. Sie ist zärtlich, einfühlsam und unberechenbar spontan und herrlich aufbrausend, wenn sie der Hafer sticht.

 

„Seien sie beruhigt, Gnädigste, Nanny Wunderly hat für die Unterbringung unseres Patienten gesorgt“, antwortete der Chefarzt und fügte sogleich hinzu: „Sie verzeihen bitte meine Indiskretion.“ 

 

„Ja, die Reinhardts und Volkarts, der Ostasienhandel reicht ihnen wohl nicht. Nun sammeln sie auch noch Poeten!“ 

Lally reichte dem Leiter der Anstalt ihre rechte Hand zum Abschiedskuss.

 

„Excusez moi“, entgegnete der Arzt, legte die Rose auf das Nachttischchen, empfahl sich und ging mit einer Verbeugung rückwärts zur Tür.

 

Am nächsten Tag betrat ein schmächtiges Männchen das Zimmer. Die Kleidungsstücke waren fein aufeinander abgestimmt, hatten aber schon bessere Tage gesehen. Am Revers trug der Mann eine Rose von jener Art, die er am Tage zuvor meiner Prinzessin hatte überreichen lassen. Lally saß in dem gemütlichen Sessel vor dem offenen Kamin, und ich thronte als Wächter auf meinem Stammplatz in ihrem Schoß. Der Mann trat auf mich zu und fiel vor mir auf die Knie. Dann nahm er Lallys rechte Hand und führte sie an seine pickelige Stirn. In Momenten wie diesen zeigt sich, wer adeliges Blut in den Adern hat. Ich blieb cool und bewahrte die Contenonce, auch als er Lallys Hand auf sein Herz legte, die Augen schloss und schwieg. Irgendwann schaute er Lally an und hauchte die Worte: 

 

„Dass du endlich gekommen bist!“ 

 

Ein Atemhauch aus gegorener Milch und Haferschleim wallte auf mich hinab.

 

Dann erhob sich Rilke. 

 

„Liebe, Du! – Ja – Wollen wir uns hinsetzen und schweigen?“, sagte er. 

 

Das war offenbar seine Art, es sich bei fremden Leuten bequem zu machen, denn Lally saß ja bereits vor dem Feuer. Rilke rückte einen Sitzhocker vor Lallys Sessel, nahm Platz und schwieg. Wahrscheinlich hätte er seinen Kopf sofort in ihren Schoß gebettet, aber dort lag ja ich, Fou-Li, der damals nicht im Traum ahnte, dass er eines Tages als Tobit der Blogger wiedergeboren wird. Ich will damit nicht sagen, dass es in Lallys Schoss schöner wohnen war als auf dem roten Teppich vor Undines Sofa. Aber es ist doch ein großer Unterschied, ob man als Pekinese oder Golden Retriever das Erdendasein bewältigen muss. Damals war ich so leicht wie eine Prinzessin der Lüfte, heute bringe ich exakt 29,5 Kilogramm auf die Waage. Die haben auf einem zarten Damenschoss keinen Platz, beim besten Willen und aller Liebe nicht. 

 

Während Rilke schweigend und mit geschlossenen Augen auf dem Hocker saß, kraulte Lally mein goldbraunes, löwenfarbiges Fell. Dann erhob sich Rilke gemächlich und schritt auf die Tür zu. Wir dachten schon, er wolle die Audienz beenden. Da machte er kehrt und begann panthergleich durch das Zimmer zu schleichen. Er nahm die Rose aus dem Revers, schnupperte an der Blüte, steckte sie wieder zurück und rezitierte folgende Verse:

 

„O Seligkeit der kleinen Kreatur,

die immer bleibt im Schoße, der sie austrug;

o Glück des Hundes, der noch innen hüpft,

selbst wenn er Hochzeit macht: denn Schoß ist Alles.“

 

Rilke war schon dreist. Betritt das Boudoir einer Dame und berührt gleich die intimsten Dinge. „Denn Schoß ist Alles!“ Das muss man erst mal bringen. Don Juan war ein Waisenknabe gegenüber Rilke, wird Lally wohl gedacht haben. Entsprechend hoch war ihre Erwartung. Ich spürte deutlich die zunehmende Wärme. Doch plötzlich schlug Rilke einen anderen Ton an:

 

„Ein jeder Engel ist schrecklich.

Und so verhalte ich mich denn und verschlucke den Lockruf

dunkelen Schluchzens. Ach, wen vermögen 

wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menschen nicht,

und die findigen Hunde merken es schon,

dass wir nicht sehr verlässlich zu Haus sind

in der gedeuteten Welt.“

 

Lallys Stimmung kühlte sich merklich ab. Rilke reagierte sofort und versuchte die Irritation zu überspielen, indem er sich mir zuwandte und mit zarter Hand über den Rücken strich und dabei wie zufällig und in träumerischer Weise Lallys Oberschenkel berührte. 

 

„Wissen Sie, Teuerste, dass ich auf meiner Ägyptenreise von einem Hund gebissen wurde? Beinahe hätte er mich zum Kapaun gemacht. Hunde und Kinder bedürfen der Erziehung. Dieser Hund aber war einer jener herrenlosen Straßenköter, von denen der Orient voll ist. Was meinen Sie, ma chère, gibt es verlorene Seelen, hoffnungslos dem Abgrund preisgegeben?“ 

 

Lally drückte mich jetzt fest in ihren Schoß. Rilke trat ans Fenster, schaute auf den Genfer See und sprach verhalten, ganz nach Innen gekehrt:

 

„Mit allen Augen sieht der Hund

das Offene. Nur unsere Augen sind

wie umgekehrt und ganz um sie gestellt.

Und doch ist in dem wachsam warmen Hund

Gewicht und Sorge einer großen Schwermut.

Denn ihm auch haftet immer an, was uns

oft überwältigt, - die Erinnerung,

als sei schon einmal das, wonach man drängt,

näher gewesen, treuer und sein Anschluß

unendlich zärtlich. Hier ist alles Abstand,

und dort wars Atem.“

 

Rilke hatte sich uns während der letzten Verse wieder zugewandt und begann nun von seinen Erlebnissen mit Hunden zu erzählen, ohne dass ich oder Lally ihn darum gebeten hätten. Er erzählte von Juno, dem Rüden mit dem Namen einer weiblichen Gottheit, Geschenk eines Worpsweder Bauern aus der Nachbarschaft, den er wie Ruth, die einzige Tochter, seinen Schwiegereltern zur Erziehung überlassen hatte. In seinen Münchener Jahre habe er einmal im Beisein der Pianistin Magda von Hattingberg einem Foxterrier das Leben gerettet, als dieser im Abflussgitter eines Brunnens feststeckte. Rilke erzählte von Lord, dem unerzogenen Hund seiner Schweizer Freundin Nanny und von Peter, dem Hund der Fürstin Marie von Thurn und Taxis, mit dem er einen Winter auf Schloß Duino hoch über der Adria verbracht hatte.

 

„Wissen Sie, chère amie, dass ich alles den Hunden verdanke? Alles, meine Liebe, verstehen Sie!“

 

Besonders Peter, der fürstliche Hund von Duino, habe ihn jeden Tag wie ein Schutzengel begleitet, wenn er die vielen Stufen vom Schloss zur kleinen Bucht hinabstieg. Peter könne auch jene selige Stunde bezeugen, als er plötzlich die klagende Stimme in sich vernahm, die wie in einem Diktat Worte sprach. Er habe sie rasch seinem Notizbuch anvertraut:

 

„Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel

Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme

einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem

stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts 

als des Schrecklichen Anfang.“

 

Rilke war schon sehr speziell, wie man in der Schweiz sagt. Als er ging, war unser Zimmer aufgeladen von einer merkwürdigen Spannung, die alles versprach und nichts zu erfüllen verhieß. Dennoch gewährte ihm Lally am nächsten Abend wieder Audienz. Einen Tag später nahm Rilke bereits seinen Abendbrei vor unserem Kamin ein und versuchte mich mit Haferschleim zu füttern. Ich verzog keine Miene und hielt mein zartes Mäulchen geschlossen. Schnauze halten oder Klartext reden schließen sich nicht aus. Alles hat seine Zeit und seinen Ort. Lally ließ den Zimmerservice kommen und bestellte für mich filettierte Bruststreifen von der Pekingente auf Reis mit echtem Safran aus dem Himalaya. Während ich dinierte, ließ Rilke seine Augen durch unser Zimmer schweifen und entdeckte eine spanische Grammatik. Dies gab ihm Anlass über seine Spanienreise zu erzählen.

 

„Die Elegien“, sagte er, „Sie werden nicht spotten, Teuerste. Nicht wahr? Von den Saiten ihres fühlenden Herzens wird jubelnde Zustimmung mir entgegenklingen, wenn ich hier auf meinen Knien vor Ihnen bekenne: Ich verdanke die Elegien dem Hund der Fürstin. Aber ich konnte sie auf Duino nicht vollenden. Es geschah mir in den Winden am Wasser eine gewaltige Eruption, ein vulkanisches Aufbegehren der tiefsten Tiefe meines Innersten, ich konnte mich nicht Halten, eine Erhebung, ein gewaltiger Stoß – und dann die Erfahrung einer großen Hemmung. Ich hatte den Höhepunkt zu lange hinausgezögert. Wochen der Entsagung folgten. Und so verhielt ich mich denn und weinte den Lockruf dunklen Schluchzens. Sie werden mich verstehen, Freundin mit dem kleinen Wächter der kostbaren Pforte. Dabei, gnädigste Frau, wollte ich es doch leisten. Auf unseren Seancen fragten wir den namenlosen Geist, wir nannten sie die Unbekannte, ob Lösung und Vollendung möglich sei. Pascha, der Sohn der Fürstin, war unser Medium. Er schrieb die Botschaft der Unbekannten auf. Und plötzlich schienen sich die Nebel zu lichten. Nach Spanien solle ich gehen. Dort werde ich die Lösung finden. Ach, ich reiste nach Spanien, aber die Engel schwiegen und nur ein armer Hund suchte in Cordoba meine Nähe und bettelte mit seinen treuen traurigen Augen um ein Stück Zucker. Ich aber gewährte es ihm.“

 

Dann erzählte Rilke, wie er die „Duineser Elegien“ in einem alten Walliser Schlossturm, den Freunde aus Winterthur eigens für ihn erworben hatten, vollendete.

 

„Lieber empfindsamer Gast,“ sagte Lally, „lassen wir nun die Engel und Hunde ruhen. Es ist spät geworden und Fou-Li muss sich noch einmal erleichtern und sein kaiserliches Hinterbein heben, wie es seit jeher der Hunde Brauch im alten China war. Kommen Sie gerne mit in den stillen Park und atmen Sie die milde Abendluft eines verheißungsvollen Frühlings!“

 

Am nächsten Morgen reisten Lally und ich weiter zur Nachkur in ein anderes Sanatorium. Der Poet und Hundefreund hatte sich noch auf unserem Zimmer verabschiedet und war nicht mit in den Park gekommen. Ich hatte einmal mehr einen guten Riecher gehabt.