Wir sind halt Schnüffler und oral fixiert.

Schnuppern und Lecken schenken uns Lebensfreude.

Das ist nun mal so. Da müssen wir uns auch nicht schämen. 

Ich finde, viele Männer könnten auf diesem oralen und olfaktorischen Gebieten von uns lernen.

Aber sie sollten sich nicht entblöden, für uns den Hund zu machen.

So geht Erziehung nicht, Doggy!

 

 

 

Liebe geht durch die Nase

 

Bei Undine war es Liebe auf den ersten Blick. Doggy nähte mir mein erstes Ruhekissen. Undine hätte mir ein Kissen gekauft, denn sie sieht nicht nur viel jünger als Doggy aus, sie ist es auch. Das bedeutet zugleich, dass sie viele Kulturtechniken wie Schuhpflege, Nähen, Sticken oder Stricken nie gelernt hat. Undine würde niemals selbst ihre Wäsche stopfen, Hosen kürzen oder Gummibänder erneuern. Doggy ist ein Kind der Fünfziger Jahre. Seine Generation wuchs in einer Recykling-Gesellschaft auf. Alles wurde wieder verwendet. So suchte Doggy unter alten Stoffen einige Reste und nähte daraus mein Kissen. Als Füllung verwendete er eine Schaffellunterlage. Doggy war echt fürsorglich, aber deshalb liebte ich ihn nicht mehr als Undine. Liebe ist Hingabe. Doggy hat meinen Einzug tadellos vorbereitet, aber er schlief in den ersten Tagen nicht neben meinem Lager. Dass ist eben der Unterschied: Der eine richtet das Spielzimmer ein, der andere spielt mit den Kindern. Spielen ist wichtiger als eine schöne Einrichtung. Spielen kann man auch auf der Straße, und zum Schlafen reicht eine einfache schmutzige Decke. Als Undine neben mir lag, da fühlte ich mich sofort geborgen, denn ich dachte zurück an die Zeit, wo ich als Straßenköter mit den Punks lebte. 

 

Von Undine wurde ich auf Händen getragen: Treppe rauf, Treppe runter, damit ich keinen Hüftschaden bekomme. Ich fühlte mich wie ein Baby. Gewickelt wurde ich nicht. Denn ich war schon stubenrein, als ich ins Haus kam. Dafür hatte der gute Frank gesorgt. Keine Ahnung, wie er das gemacht hatte. Er war eben ein Pfundskerl und ein echt verrückter Hund. Wahrscheinlich hat er uns schon in den ersten Wochen klargemacht, dass Pissen an der frischen Luft viel lustiger ist. Da verteilen sich die Düfte besser und es gibt immer etwas Neues zu schnuppern. Ich wurde bis zum ersten Lebensjahr die Treppen hoch und runter getragen. Doggy ging das tierisch auf den Zeiger, obwohl er mich niemals auf den Arm gehoben hat. Wahrscheinlich war er eifersüchtig auf Undine. Denn sie hat mir immer mit warmer Seifenlauge die Urogenitalregion abgewaschen, bevor sie mich in ihre Arme nahm. Aus hygienischen Gründen fand ich diese Maßnahme etwas übertrieben, aber es ging hier vor allen Dingen um den Beziehungsaspekt und Aufbau einer Vertrauensbasis, die durch ein ganzes Hundeleben trägt. Undine jedenfalls kann mit mir machen was sie will. Ich halte still, wenn sie mir Augen, Ohren und Nase mit dem Wattestäbchen reinigt, mein Fell nach Flöhen und Zecken durchsucht oder meinen Popo mit feuchtem Toilettenpapier reinigt. Selbst der Tierarzt staunte bei einer kleinen Wundversorgung. Er rasierte mit dem Skalpell das Fell an meiner rechten Arschbacke, während Undine meinen Kopf in ihre Arme nahm. Da fühlte ich mich an meine Kindertage erinnert, als ich noch auf ihren Armen Platz fand. Während der Arzt an mir rumfummelte, sagte plötzlich seine Hilfe: „Der Tobit wedelt ja mit dem Schwanz!“ Andere Hunde müssen vor der Operation eine Beruhigungstablette oder eine Vollnarkose bekommen. Ich nicht. Ich denke, wenn man alle Hunde auf den Armen tragen würde, dann gäbe es mehr Frieden in der Welt.

 

Mit Undine steige ich gerne ins Auto. Autofahren mit Doggy macht keinen Spaß. Wenn ihr glaubt, dass ich das Fahren nicht vertrage und kotzen muss, so habt ihr mir nicht richtig zugehört. Ich bin schussfest, und wer schussfest ist, der reihert nicht ins Auto, sondern behält sein Essen lieber im Magen, wo es hingehört. Autofahren mit Doggy macht keinen Spaß, weil er immer zu Undine sagt: „Der Kerl stinkt mir die ganze Bude voll!“ Dann macht er das Fenster auf und wenig später hat er von der Zugluft einen steifen Nacken. Das ist eben der Unterschied zwischen Undine und Doggy. Sie nimmt mich so, wie ich bin. Wer liebt, der kann den Anderen auch gut riechen.